MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Basel, Kartäuserkloster

Die Gründung der Basler Kartause geht auf die Initiative des Oberzunftmeisters und Ratsherrn Jakob Zibol zurück, der 1401 im rechtsrheinischen Kleinbasel für 600 Goldgulden den sogenannten Bischofshof erstand (heute zwischen Theodorkirchsplatz und Oberem Rheinweg). Diesen übergab er noch im selben Jahr dem Straßburger Prior Winandus, der 1402 das neue Kloster mit zwei Mönchen und einem Laienbruder von Straßburg aus besiedeln ließ. 1403 wurde die Kartause nach der Margarethenkapelle, die zugunsten der 1416 geweihten Klosterkirche abgerissen wurde, in Margarethental benannt. Ab 1431 erlebte die Kartause im Zuge des Basler Konzils einen ersten Aufschwung. Durch zahlreiche Schenkungen der Konzilsteilnehmer konnte Margarethental ausgebaut und kunstvoll ausgestattet werden. Mit dem Abschluss des Konzils 1449 endete auch diese erste Blütezeit abrupt. Aufgrund der nun ausbleibenden Spenden wurde kurzzeitig sogar die Auflösung des Konvents erwogen. Erst unter dem Prior Jakob Louber (1480-1500) gewann das Kloster wieder an Bedeutung, sodass in dieser Zeit mit Johannes Heynlin de Lapide und dem begüterten Kaufmannssohn Hieronymus Zschekkenbürlin auch bedeutende Basler Bürger in das Kloster eintraten. Daneben machte sich die 1460 erfolgte Gründung der Basler Universität bemerkbar, indem die mehr und mehr aus dem Basler Raum eintretenden Novizen nun meist eine Vorbildung vorweisen konnten und das Kloster zusehend Verbindungen mit der gelehrten Basler Bürgerschaft einging. 1501 wurde Zschekkenbürlin letzter Prior der Kartause, bevor sie 1529 der Reformation zum Opfer fiel. Zwar wurde das Kloster nicht sofort geschlossen, jedoch unterstand es fortan weltlicher Verwaltung und durfte keine neuen Mitglieder aufnehmen. 1536 starb Zschekkenbürlin, 1564 der letzte Basler Kartäuser. Anschließend lag das Gelände brach, bis dort 1669 der Basler Rat ein bürgerliches Waisenhaus einrichtete.

Nach der Gründung bestand die Klosterbibliothek zunächst nur aus einem äußerst kleinen Bestand, der sich hauptsächlich aus Schenkungen der Schwesterklöster zusammensetzte. Erst während des Basler Konzils wurde die Bibliothek ausgebaut und erhielt eigene Räume über der Sakristei und dem Kapitelhaus. Ab den 1430er Jahren lässt sich zudem die Arbeit eigener Schreiber nachweisen. Nach dem Basler Konzil wurde die Bibliothek jedoch wieder vernachlässigt, bis sie unter Jakob Louber "sowohl an Umfang als auch an Gehalt" (Wilhelmi, S. 22) zunahm. Dabei wuchs die Bibliothek auch immer wieder durch die Nachlässe ihrer verstorbenen Mitglieder. Hervorzuheben ist hier besonders die Bibliothek Johannes Heynlins de Lapide (†1496, ca. 300 Bände), der während seiner Zeit in der Kartause auch deren Öffnung für den Humanismus vorantrieb. Gleichzeitig führte die von Jakob Louber verordnete Öffnung der Klosterbibliothek für die Basler Bürger für einen regen Austausch zwischen Kloster und der Bevölkerung "der dem Humanismus den Weg bereitenden Stadt Basel" (Wilhelmi, S. 23). Louber ließ sowohl einen Bibliothekskatalog als auch ein Ausleihbuch anlegen, um den Besitz der Klosterbibliothek zu erfassen und zu verwalten. Die stetig wachsende Bibliothek führte bald zu organisatorischen Problemen, denen Urban Moser und Georg Carpentarius durch die Anlegung von weiteren Repertorien und Katalogen zu begegnen versuchten. Carpentarius verfasste zudem eine Vorschriftensammlung für die ihm nachfolgenden Bibliothekare des Klosters. Besondere Bedeutung hatte die Führung einer Laienbibliothek, "welche die geistige Kost der Laienbrüder oder Konversen enthielt, deren Lateinkenntnisse beschränkt waren" (Burckhardt [1983], S. 40).

Durch die Öffnung der Bibliothek für die gelehrte Basler Bevölkerung, die Katalogisierung der Bestände und den sukzessiven Ausbau der volkssprachigen Bestände konnte die Bibliothek nicht nur von den Kartäusermönchen benutzt werden, sondern auch von Angehörigen anderer Klöster, Kaufleuten, Universitätsmitgliedern, Buchdruckern und Verlegern, die wiederum den Bibliotheksbestand durch Schenkungen vermehrten. Eine enge Verbindung lässt sich so beispielsweise zwischen dem Kloster und Johann Amerbach oder Sebastian Brant herstellen. Es ist daher kaum überraschend, dass sich in der Bibliothek der Kartause zahlreiche Übersetzungen Brants finden. In einem Sammelband Basler Drucke sind mit 'Cato', 'Moretus' und 'Facetus' gleich drei dieser Werke vereint (vgl. MRFH 20770). Daneben finden sich Exemplare der zweiten Ausgabe des 'Narrenschiffs' aus der Offizin Johann Bergmanns von Olpe (MRFH 20630) und der deutschsprachigen Erstausgabe der Schedelschen 'Weltchronik' (MRFH 21316) in der Klosterbibliothek. Aus dem Privatbesitz Urban Mosers kam schließlich ein Sammelband mit einer Ausgabe von Heinrich Steinhöwels 'Apollonius' hinzu (vgl. MRFH 20230). 1590 schließlich fiel die Bibliothek mit ihren knapp 2400 Bänden fast vollständig an die Basler Universitätsbibliothek, in der sich noch heute weit über 1000 Werke aus dem Besitz der Basler Kartäuser erhalten haben.

Verf.: js.

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Literatur:

Baer, C. H.: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt. Band III: Die Kirchen, Klöster und Kapellen. Erster Teil: St. Alban bis Kartause (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 12). Basel 1941, S. 449-594.
Burckhardt, M.: Aus dem Umkreis der ersten Basler Universitätsbibliothek. In: Basler Zeitschriften für Geschichte und Altertumskunde 58/59 (1959), S. 155-191, insb. S. 169-179.
Burckhardt, M.: Bibliotheksaufbau, Bücherbesitz und Leserschaft im spätmittelalterlichen Basel. In: Moeller, B. / Patze, H. / Stackmann, K. (Hgg.): Studien zum städtischen Bildungswesen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1978 bis 1981 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Historische Klasse Dritte Folge 137). Göttingen 1983, S. 33-52.
Carpentarius, G.: Informatorium Bibliothecarii Carthusiensi Domus Vallis Beatae Margarethae in Basilea Minori. Hg. v. L. Sieber. Basileae 1888.
Reicke, D. / Vonder Mühll, V.: Die ehemalige Kartause in Basel (Schweizerische Kunstführer Serie 84, Nr. 836). Bern 2008.
Sexauer, W. D.: Frühneuhochdeutsche Schriften in Kartäuserbibliotheken. Untersuchungen zur Pflege der volkssprachlichen Literatur in Kartäuserklöstern des oberdeutschen Raums bis zum Einsetzen der Reformation (Europäische Hochschulschriften. Reihe I: Deutsche Literatur und Germanistik 247). Frankfurt am Main u. a. 1978, S. 105-126 u. 160-172.
Terrahe, T.: Heinrich Steinhöwels 'Apollonius'. Edition und Studien (Frühe Neuzeit 179). Berlin / Boston 2013, S. 52f. u. 124.
Vischer, W. / Stern, A. (Hgg.): Basler Chroniken. Erster Band. Leipzig 1872, S. 231-548.
Wilhelmi, T.: Humanistische Gelehrsamkeit im Umkreis der Basler Kartause. In: Lorenz, S. (Hg.): Bücher, Bibliotheken und Schriftkultur der Kartäuser. Festgabe zum 65. Geburtstag von Edward Potkowski (Contubernium 59). Stuttgart 2002, S. 21-27.
Zadnikar, M. (Hg.) in Verbindung mit A. Wienand: Die Kartäuser. Der Orden der schweigenden Mönche. Köln 1983, S. 291.

Bildgroßansicht

Vogelschauplan der Basler Kartause. Quelle: Baer, C. H.: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt. Band III: Die Kirchen, Klöster und Kapellen. Erster Teil: St. Alban bis Kartause (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 12). Basel 1941, S. 455.

Bildgroßansicht

Nebengebäude der Klosterkirche mit den Bibliotheksräumen im Obergeschoss. Quelle: Baer, C. H.: Die Kunstdenkm√§ler des Kantons Basel-Stadt. Band III: Die Kirchen, Kl√∂ster und Kapellen. Erster Teil: St. Alban bis Kartause (Die Kunstdenkm√§ler der Schweiz 12). Basel 1941, S. 537.

Version vom 30. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0210.