MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Johannes Gossolt

Der Augsburger Domherr Johannes Gossolt (1421-1506) de Güntzburg, in decretis licentiatus, hat sein Studium in Heidelberg und Padua absolviert. Um 1448 wurde er Dekan des Kollegiatstifts St. Moritz in Augsburg; von 1459-1461 und 1471-1485 bekleidete er das Amt des bischöflichen Generalvikars und wurde 1462 Kanoniker des Domkapitels, 1472 Probst von St. Peter in Augsburg.

Gossolt ist als Besitzer, teils auch als Schreiber und Korrektor etlicher Handschriften nachgewiesen. Allein die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek besitzt heute noch vierzehn Bände, die sein Wappen, drei rote Rauten auf weißem Grund (Zimmermann Nr. 1574), mit Monogramm oder einen Schenkungsvermerk mit seinem Namen aufweisen, da Johannes Gossolt eine Reihe seiner Codices an geistlichliche Institutionen (z.B. an die Klöster St. Ulrich und Afra, St. Moritz in Augsburg, Ottobeuren und St. Mang in Füssen) vermachte. Die meisten sind lateinische oder lateinisch-deutsche Handschriften mit theologisch-philosophischem oder iuristischem Inhalt, so etwa mehrere Konsiliensammlungen, von denen die Augsburger Handschrift (Augsburg, 2° Cod. 259) u.a. Gutachten des Eichstätter Domherrn und Frühhumanisten Albrecht von Eyb, von Heinrich und Johannes Neithart aus Ulm sowie von Ulrich Molitoris und Martin Prenninger, dem Tübinger Professor für Kirchenrecht und Mitglied der berühmten Platonischen Akademie Marsilio Ficinos in Florenz enthält.

Italienische bzw. humanistische Einfüsse lassen sich auch in anderen Handschriften Gossolts nachweisen, so überliefert der Augsburger Codex 2° 224 Reden und Kommentare des Enea Silvio Piccolomini, die Handschrift 2° Cod. 183 neben Augustinus und Bonaventura je eine Schrift von Francesco Petrarca und Leonardo Bruni. Die Handschrift (Augsburg, 2° Cod. 185) enthält u.a. Paduaner Reden des Gasparius Barzizius sowie Universitätsreden von Georg Ehinger, der zur Studienzeit Heinrich Steinhöwels ebenfalls in Padua war und dort 1445 zum Prorektor und im nachfolgenden Jahr zum Rektor gewählt wurde. Aus seinen Studientagen in Padua kannte der Augsburger Domherr Johannes Gossolt den Ulmer Patrizier Georg Ehinger (vgl. Zonta / Brotto Nr. 1924), der ein Schwager von Steinhöwels Übersetzerkollegen Niklas von Wyle war. Vermutlich dürfte er in Padua auch den Ulmer Frühhumanisten Heinrich Steinhöwel kennen gelernt haben. In Gossolts Besitz befand sich u.a. der Ulmer Erstdruck (Ex. Augsburg, SStB, 1 an 4° Ink 232) von Steinhöwels 'Pestbüchlein' und eine Abschrift von Wyles Novelle 'Eurialus und Lukretia' (Augsburg,SSTB, 4° Cod. 147) nach der lateinischen Vorlage des Enea Silvio Piccolomini.

Verf.: cbk.

Besitzer von Handschriften:

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Gebele, E.: Augsburger Bibliophile. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 52 (1936), S. 9-59, insb. S. 19.
Gehrt, W.: Die Handschriften der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod 251-400e (Handschriftenkataloge der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 4). Wiesbaden 1989, S. 6f., S. 145f. u. S. 110f.
Gehrt, W.: Die Handschriften der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod 401-575 (Handschriftenkataloge der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 5). Wiesbaden 1993, S. 4-7, S. 30f., S. 63f., S. 74 u. S. 123-126.
Gehrt, W.: Die Handschriften der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 4° Cod 1-150 (Handschriftenkataloge der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 6). Wiesbaden 1999, S. 191-193.
Gier, H.: Kirchliche und private Bibliotheken in Augsburg während des 15. Jahrhunderts. In: Janota, J. / Williams-Krapp, W. (Hgg.): Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts. Tübingen 1995, S. 82-99, insb. S. 86, 88f.
Spilling, H.: Die Handschriften der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod 1-100 (Handschriftenkataloge der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2). Wiesbaden 1978, S. 87f. u. S. 135f.
Spilling, H.: Die Handschriften der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod. 101-250. Wiesbaden 1984, S. 123-126, S. 129-135 u. S. 248ff.
Toepke, G.: Die Matrikel der Universität Heidelberg von 1386 bis 1662. Heidelberg 1884, I, 213.
Zimmermann, E.: Augsburger Zeichen und Wappen. Augsburg 1970 , Tafel 55, Nr. 1574.
Zimmermann, K.: Cod. Pal. germ. 161. Augsburger Stadtrecht. Heidelberg 2003 (digital), S. 1.
Zonta, C. / Brotto, I.: Acta graduum Academicorum Gymnasii Patavini. Padua 1922 (Nachdruck Padova 1970), Bd. II, Nr. 1924 u. 2125.

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Quelle: Augsburg, SStB, 4° Cod. 147, Bl. 64r

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