MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Christof Helt (Held)

Im Dresdener Exemplar der Ausburger Ausgabe Anton Sorgs von 1479, die Steinhöwels deutschsprachigen ‚Aesop‘ zusammen mit Wyles Sigismunda-Novelle (2. Translatze) überliefert, nennt sich in einer Schrift des späten 15. oder frühen 16. Jahrhunderts Christoff Helt als Besitzer (vgl. Dicke S. 407).

Es dürfte sich hierbei um denselben Christoff Helt handeln, der sich mit gleicher Schreibweise auch in der Wolfenbütteler Handschrift 78.4 Aug. fol. eintrug, die den ‚Renner‘ Hugos von Trimberg, die Pseudo-Bernhardinische Lehre ,Vom Haushaben‘, und den 'Lucidarius' enthält. Diese Handschrift wurde von Johannes Stollen aus Berchingen (bei Neumarkt in der Oberpfalz) 1437 geschrieben und gehörte lt. Schreibereintrag meinem genedigen hrn N. Kuchenmeister etc. Anno etc. xxxvij° (Ulmenschneider, S. 300). Später gelangte sie dann in den Besitz Helts: Christoff Helt ist das puch. Sowohl die Herkunft des Schreibers und ersten Besitzers als auch der spätere Eintrag weisen auf den nordbairisch-ostfränkischen Raum, und hier am ehesten nach Bamberg. In Bamberg sind die Küchenmeister als bischöfliche Hausgenossen und Schöffengeschlecht nachgewiesen. Brunwardus (†1290) übte das Amt des magistri coquinae aus, seine Nachkommen tragen den Namen Küchenmeister (so z.B. 1368 der Schöffe "Heinrich genannt der Küchenmeister", vgl. Schimmelpfennig, S. 154).

Der zweite Besitzer dürfte daher wohl mit jenem Christoff Helt aus Bamberg identisch sein, dessen Afterlehen, eine Hube zu Kirchschletten (nördlich vom Bamberg), 1496 Hans Lemlein besaß (Kammerlehenbuch, Bl. 64). Die Familie Lemlein bzw. Lemmel, die ihre Ursprünge in der Reichsministerialität hat, verzweigte sich im Spätmittelalter in eine Bamberger und Nürnberger Linie. In Bamberg ist die Familie mit Conrad Lemlein 1331 erstmals als Schöffe nachgewiesen; in Nürnberg gehörten die Lemlein (Lemmel) zu den ratsfähigen Geschlechtern (Fleischmann, S. 1121f.). Die Bamberger Lemlein waren durch Connubium sowohl mit den Küchenmeistern als auch der Familie Helt verbunden, so dass die Wolfenbütteler Handschrift vermutlich im Rahmen verwandtschaftlichen Beziehungen zu Christoff Helt wechselte.

Angehörige der Familie Held (Helt) sind sowohl in Bamberg (u.a. Friedrich H. 1460 bischöfl. Kammermeister, 1487/88 Ratsherr und Bürgermeister) als auch in Nürnberg nachweisbar, wo sie die Linie der Held, gen. Hagelsheimer begründeten und zu den ehrbaren Geschlechtern zählten. Da viele Familien aus Bamberg im Laufe des 15. Jahrhunderts nach Nürnberg übersiedelten, könnte der Besitzer Christoff Helt vielleicht mit jenem Christoph Held identisch sein, der 1557 verstarb und dessen Totenschild in der St. Lorenzkirche in Nürnberg aufbewahrt wird (vgl. Fehring/Ress, S. 97).

Das Wappen der Held (ein roter Pfeil auf silbernem Rechteck u. schwarzem Grund) ist auf 16 Totenschilden in St. Lorenz erhalten — ältester Schild von Friedrich Held aus Bamberg (†1445) mit dem Beischild seiner Gemahlin Agnes Lemlein. Hier befindet sich u.a. auch der Schild vom Losungsschreiber Sigmund Held (1528-1587) mit den Beischilden seiner Gemahlinnen Römer und Ebner (ebd.), der nach Christoff Helt als dritter Besitzer die Wolfenbütteler 'Renner'-Handschrift im späten 16. Jahrhundert besaß und dessen Exlibris sich im vorderen Spiegel der Wolfenbütteler Handschrift befindet. B. Müller (S. 46) sieht in ihm einen jüngeren Bruder Christoph Helds.

Vom Wohlstand und hohen Ansehen der Familie Held, gen. Hagelsheimer zeugen u.a. der Hagelsheimer Altar in der heutigen St. Jakobskirche in Nürnberg (1516) und ihr angebrachtes Wappen auf den Patrizierfenstern an der Südseite von St. Lorenz sowie den Wappenscheiben im Chor von St. Jobst im 16. Jahrhundert (Fehring/Ress, S. 102 u. 284).


Verf.: cbk.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Bauer, H./Stolz, G. (Hgg.): Wappen in Fülle. Wappenkunde — Wappenkunst — Wappenrecht. Verein zur Erhaltung der St. Lorenzkirche in Nürnberg, NF 31 (1986).
Dicke, G.: Heinrich Steinhöwels 'Esopus' und seine Fortsetzer. Untersuchungen zu einem Bucherfolg der Frühdruckzeit. Tübingen 1994, S. 406f. u. 480.
Fechter, W.: Das Publikum der mittelhochdeutschen Dichtung. Unveränd. reprograf. Frankfurt am Main 1935 (Nachdruck Darmstadt 1966), S. 96 (identifizierte Ch. Helt. mit einem Nachfahren des Münchner Heinrich Küchenmeister, der 1362 im Besitz einer Abschrift des 'Oberbayerischen Landrechts' Ludwigs d. Bayern war).
Fehring, G.P./Ress, A: Die Stadt Nürnberg. Kurzinventar. (Bayerische Kunstdenkmale, Bd. 10), München 1961.
Fleischmann, P.: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. 3 Bde. (Nürnberger Forschungen 31). Neustadt a. d. Aisch 2007.
Greiff, G.: Die bürgerlichen Habelsheimer im Ansbacher Land. In: Historischer Verein für Mittelfranken 78 (1959), S. 69-92.
Heinemann, O. v.: Die Augusteischen Handschriften. Band 4: Codex Guelferbytanus 77.4. Aug. 2° bis 34 Augusteus 4° (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel 7). Wolfenbüttel 1900 (Nachdruck Frankfurt am Main 1966), S. 6 (Nr. 2771).
Krämer, S.: Scriptores possessoresque codicum medii aevi.
Müller, B.: Die im Jahr 1309 geschriebene Renner-Handschrift. In: Historischer Verein Bamberg, 107. Bericht, Bamberg 1971, S. 45-51.
Prankel, U.: Der Hagelsheimer Altar, in: St. Jakob (online).
Schimmelpfennig, B: Bamberg im Mittelalter (Historische Studien 391), Lübeck/Hamburg 1964.
StA Bamberg, StB 550 Kammerlehenbuch 1466-1494, Bl. 64, mitgeteilt in: Stammtafel Ba-27/j.
Stammtafel: Bamberg, Brunward (1200-1350) (online).
Stammtafel: Hagelsheimer genannt Held in Nürnberg/Bamberg 1400-1550 (online).
Ulmschneider, H.: Der deutsche 'Lucidarius'. Bd. 4: Die mitttelalterliche Überlieferungsgeschichte (Texte und Textgeschichte 38), Berlin/New York 2011, S. 298-302.

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Quelle: Appuhn, H. (Hg.): Johann Siebmachers Wappenbuch. 2. verb. Aufl. (Die bibliophilen Taschenb├╝cher 538). Dortmund 1989, Bd. 2, Tafel 212.

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Totenschild Sigmund Helds, genannt Hagelsheimer (1558). St. Lorenzkirche, Nürnberg. Quelle: Bauer, H./Stolz, G. (Hgg.): Wappen in F├╝lle. Wappenkunde — Wappenkunst — Wappenrecht. Verein zur Erhaltung der St. Lorenzkirche in N├╝rnberg, NF 31 (1986), S. 49.

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Besitzeintrag. Quelle: Dresden, SUB, Kupferstichkabinett, B 192,2.

Version vom 07. 11. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/1060.