MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Hans Hertzhamer (Johannes Hertzheim)

Hanns Her(t)zhamer entstammte einem ritterlichen Geschlecht aus Trostberg in Bayern. Er dürfte mit Johannes Hertzheim III. (gest. 1532) identisch sein, der zwischen 1511 und 1521 Besitzer des Schlosses Strechau in der Steiermark war.

Um 1464 geboren, erhielt Hans Hertzhamer seine ritterliche Ausbildung am bayerischen Hof in Landshut, wo sein Onkel Hofmeister Friedrichs d. Reichen war. Später versah er seinen militärischen Dienst für verschiedene Fürstenhäuser. 1486 kämpfte er im Gefolge Sigmunds von Tirol gegen Venedig, später diente er Kaiser Friedrich III. und seinem Sohn Maximilian I.

In den neunziger Jahren des 15. Jahrhunderts stand Hans Hertzhamer in den Diensten des bayerischen Herzogs, Georgs des Reichen, bei dem er u.a. das Amt des Untermarschalls und Futtermeisters versah. 1491 begleitete er den bayerischen Herzog zum Fürstentag nach Nürnberg, wo er gemäß dem Kaufvermerk im Exemplar einer Inkunabel der Sammlung Otto Schäfer die erste illustrierte deutsche Decameron-Ausgabe (Augsburg, Anton Sorg, 1490) erwarb: das puch Hab Ich Hanns Hertzhamer gekaufft In Nurnberg als der fursten Tag da was anno 1491 — als ich die selb zeit an hertzog Gerigs von Bayern hoff vndermarschalch und fuettermeister gewest pin — als man von Stuelweisnburg sein wiederkhomen anno 1491.

Hans Hertzhamer besaß auch eine Handschrift des späthöfischen Minneromans 'Friedrich von Schwaben', die er mit verschiedenen biographischen Randnotizen versah. So schreibt er auf Bl. 97r: Schynatulander hab ich Hans Herzhamer auch des namens ain brueder gehabt; Bl. 160r finden sich Einträge von ihm zu Jahrestiftungen für seine Familie, u.a.: in sand Andre stifftpuech zw Trostperg [...] und ich Hanns Herczhamer hab das mit mein selb hand aufgeschriben anno etc. 1492 jare (vgl. Schneider, 1996, S. 566). Wohl noch derselbe Hans Herzhamer besitzt 1520 eine Handschrift von Ulrich Füeterers 'Bayerische Chronik' (München, Cgm 565), die auf dem Vorderdeckel den Eintrag enthält: Hanns von Hertzheim zw der Streaw und Salomonskirchen, [Vetter des] Bernhardin von Trenbach zw Burckfridt der zeit auf sand Gorigen perig ob Passaw pflegers (vgl. Schneider, 1978, S. 147).

Verf.: cbk.

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Literatur:

Bertelsmeier-Kierst, C.: „Griseldis“ — Von der Renaissancenovelle zum Ehe-Exempel. In: Rautenberg, U. (Hg.): Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt 18. April — 31. Oktober 1993. Schweinfurt 1993, S. 60-72, S. 68 (Nr. 14).
Bertelsmeier-Kierst, C.: Wer rezipiert Boccaccio? Zur Adaption von Boccaccios Werken in der deutschen Literatur des 15. Jahrhunderts. In: ZfdA 127 (1998), S. 410-426.
Fechter, W.: Das Publikum der mittelhochdeutschen Dichtung. Unveränd. reprograf. Frankfurt am Main 1935 (Nachdruck Darmstadt 1966), S. 88.
Geiss, E.: Geschichte des Schlosses Herzheim. In: Oberbayerisches Archiv 7 (1846), S. 202-219.
Priebsch, R.: Deutsche Handschriften in England. Bd. 2. Erlangen 1901, Nr. 304, S. 263.
Schneider, K.: Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Cgm 501-690 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 5,4). Wiesbaden 1978, S. 146-148, hier S. 147.
Schneider, K.: Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die mittelalterlichen Handschriften aus Cgm 4001-5247 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 5,7). Wiesbaden 1996, S. 565f.
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