MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Albrecht Letscher

1519 nennt sich als zweiter Besitzer Albrecht Letscher auf dem Registerblatt von 'Lehre und Unterweisung' (MRFH 20990; Ex. Wolfenbüttel), einem Sammelband des Augsburger Druckers Johannes Bämler, der 1472 moralisch-geistliche Traktate gemeinsam mit Heinrich Steinhöwels 'Griseldis' auf den Markt brachte. Der Besitzer dürfte mit dem Nürnberger Kaufmann Albrecht Letscher identisch sein, der Lucia, die Tochter des Nürnberger Patriziers Michael Behaim (1459-1511) ehelichte. Michael Behaim, der 1489 zum jüngeren Bürgermeister gewählt wurde und dem Kleinen Nürnberger Rat angehörte, war mit Margarethe vermählt, die aus einer Augsburger Kaufmannsfamilie stammte; ihr Vater war Hans Winter, der sich 1501 ebenfalls als Besitzer auf dem Registerblatt der Bämler-Inkunabel nennt. Über seine Gemahlin bzw. deren Eltern ist der Druck demnach 1519 in Letschers Besitz übergegangen.

Aus den Nürnberger Annalen von 1500 erfahren wir, dass die Familie Albrecht Letschers aus Nürtingen (Nörtingen) in Württemberg stammt. Sein Vater war Johann Letscher, Doktor des Rechts, der am 3. Januar 1485 auf Lebenszeit in Nürnberger Dienste trat und bis 1521 als Ratskonsulent, der den Rat in juristischen Fragen beriet und für Nürnberg auch in diplomatischen Missionen tätig war, bezeugt ist. Seine Söhne haben, wie die Annalen berichten, zu den erbarn Geschlechten geheuratet und sich ins Burgerrecht begeben. Im Genanntenbuch findet man Albrecht Lettscher anno 1517, Caspar Lettscher anno 1519, Hans Lettscher 1523. Albrecht Letscher, der sich 1519 als zweiter Besitzer von 'Lehre und Unterweisung' nennt, war von 1517 bis 1539 Genannter des Nürnberger Rats (StadtAN GSl 152).

Verf.: cbk / jes.

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Literatur:

Appuhn, H. (Hg.): Johann Siebmachers Wappenbuch. 2. verb. Aufl. (Die bibliophilen Taschenbücher 538). Dortmund 1989, insbes. Bl. 213.
Fleischmann, P.: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. 3 Bde. (Nürnberger Forschungen 31). Neustadt a. d. Aisch 2007, hier S. 323.
Stammtafel Michael Beheim (Beh-28e).
Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Hg. v. Direktorium. Jahrgang 1894. Mit Abbildungen. Nürnberg 1894, insbes. S. 14-17.
Müllner, J.: Die Annalen der Reichsstadt Nürnberg von 1623. Teil III: 1470–1544. Bearb. von Michael Diefenbacher (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg 32). Nürnberg 2003, insbes. S. 199.
Weiss, H.: Lebenshaltung und Vermögensbildung des ‚mittleren‘ Bürgertums. Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Reichsstadt Nürnberg zwischen 1400-1600. München 1980, insbes. S. 90-92.
WESTERMANN, E.: Die Nürnberger Welser und der mitteldeutsche Saigerhandel des 16. Jahrhunderts in seinen europäischen Verflechtungen. In: Häberlein, M. / Burkhardt, J. (Hgg.): Die Welser. Neue Forschungen zur Geschichte und Kultur des oberdeutschen Handelshauses (Colloquia Augustana 16). Berlin 2002, S. 240-264, insbes. S. 246.

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Das Wappen der Familie Letscher. Quelle: Appuhn, H. (Hg.): Johann Siebmachers Wappenbuch. 2. verb. Aufl. (Die bibliophilen Taschenbücher 538). Dortmund 1989, Bl. 213.

Version vom 14. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/1590.