MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Nürnberger Rat

Dedikationen

Albrecht von Eyb: Ehebüchlein
Wilhelm von Hirnkofen: Von Armut, Unruhe und Trübsal der Hofleute
Wilhelm von Hirnkofen: von bewarung und beraitung der wein

Leben

Schon bald nach der Gründung Nürnbergs im 11. Jh. erfuhr der Ort einen rasanten Aufstieg, der 1219 mit der Ernennung zur Reichsstadt durch Friedrich II. einen ersten Höhepunkt erfuhr. Obwohl schon 1256 erstmals ein Rat erwähnt wurde, blieb die Stadt unter der Verwaltung und Regierung des für sie zuständigen Burggrafen. Nachdem im 14. Jh. der Stadtadel durch Fernhandel und Finanzgeschäfte einen steilen Aufschwung erlebt hatte, der auch dem Rat nach und nach zu größerem Einfluss verhalf, entließ 1427 der letzte Burggraf Friedrich I. von Brandenburg Nürnberg in die Autonomie, wodurch die Stadt nun durch den Inneren Rat verwaltet wurde, der jährlich neu gewählt wurde. Dessen Wahl erfolgte jedoch keineswegs demokratisch. Vielmehr hatte sich aus den mächtigsten Familien der Stadt eine Oberschicht gebildet, die sich bereits im 14. Jh. als Patriziat bezeichnete. Zu einem formellen Abschluss des Patriziats kam es allerdings erst 1521 durch das sogenannte Tanzstatut, in dem 42 ratsfähige Familien festgeschrieben wurden. In der Folge wurden neue Familien erst nach dem Aussterben alter Geschlechter in das Patriziat aufgenommen.

Der Innere Rat setzte sich seit 1410 aus 26 Bürgermeistern (13 Ratsmannen und 13 Schöffen, unterschieden in 13 Jüngere und 13 Ältere Bürgermeister), 8 Handwerksherren als Vertreter der Zünfte und 8 Alten Genannten zusammen. Die Wahl der Bürgermeister erfolgte durch fünf Ratswähler, deren Posten jedes Jahr neu zu besetzen waren und deren Mitglieder aus fünf unterschiedlichen Patriziergeschlechtern stammen mussten. Zwei der Wähler wurden vom Großen Rat gewählt, während drei von den letztjährigen Bürgermeistern bestimmt wurden. Diese wählten nun Ratsmannen und Schöffen, die wiederum Handwerker und Alte Genannte bestimmten. Eigentliches Machtzentrum bildete das Septumvirat der Älteren Herren, zu denen die Obersten Hauptleute, die für die militärische Sicherheit der Stadt zuständig waren und jährlich neu bestimmt wurden, und vier weitere Ältere Bürgermeister gehörten.

Seit 1370 ist die Führung einer Ratsbibliothek belegt. Die "älteste deutsche städtische Bibliothek" (Fleischmann [2000]) war zunächst nur eine kleine Verwaltungsbibliothek, entwickelte sich allerdings durch zahlreiche Schenkungen im 15. Jh. (u. a. durch Hartmann Schedel) zu einer Gelehrtenbibliothek, die 1488 bereits 371 Bände umfasste. 1472 widmete Albrecht von Eyb dem erbern weysen fůrsichtigē Nürnberger Rat vnd der gantzen gemeine das 'Ehebüchlein', dessen Erstdruck Albrecht, einem hs. Eintrag in seinem Privatexemplar folgend, im Oktober 1472 dem Rat übergab (vgl. MRFH 20820, Ex. Augsburg). Ein weiteres Exemplar des Erstdrucks befand sich im Besitz des Nürnberger Patriziers Konrad Topler, der allerdings nicht dem Rat angehörte. Zu diesem gehörten 1472 stattdessen namhafte Familien wie die Behaim, Holzschuher, Pirckheimer, Harsdorfer oder Volckamer. Oberste Hauptmänner waren Hans Koler, Jobst (V.) Tetzel und Anton (I.) Tucher.

Verf.: js.

Literatur:

Fleischmann, P.: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. 3 Bde. (Nürnberger Forschungen 31). Neustadt a. d. Aisch 2007.
Fleischmann, R.: Ratsbibliothek. In: Diefenbacher, M. / Endres, R. (Hgg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 22000, S. 857.
Friedrich, G.: Bibliographie zum Patriziat der Reichsstadt Nürnberg (Nürnberger Forschungen 27). Nürnberg 1994.
MBK = Ruf, P.: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz. Hg. von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. 4 Bde. München 1918-1979, III, S. 772-795.
Meyer, J: Die Entstehung des Patriziats in Nürnberg. In. Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 27 (1928), S. 1-96.

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Nürnberger Stadtwappen. Quelle: Diefenbacher, M. / Endres, R. (Hgg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 22000, S. 1158.

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Saalbau des Nürnberger Rathauses. Quelle: Diefenbacher, M. / Endres, R. (Hgg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 22000, S. 713.

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Nürnberger Rathaussaal (1626). Quelle: Diefenbacher, M. / Endres, R. (Hgg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 22000, S. 856.

Version vom 31. 01. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2000.