
MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus
| MRFH | Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus |
Otto von Sonnenberg, Bischof zu Konstanz
Zu den Besitzern des Ulmer 'Decameron'-Erstdrucks (Ulm: [Johann Zainer 1476/77]) zählte Otto von Sonnenberg, Bischof zu Konstanz. Sein eingemaltes Wappen befindet sich vorne im Leutkircher Exemplar der Fürstlich Waldburg Zeil'schen Bibliothek, die noch im Besitz eines weiteren 'Decameron'-Drucks [Straßburg: Johann Grüninger 1509] ist. Otto, der aus dem Hause Waldburg stammte, ist 1452 erstmals bezeugt, 1466 erhielt er eine Chorherrenstelle in Lindau und stand 1472 im Dienst des Grafen Eberhard V. von Württemberg. Im Jahre 1474 ist er als Domherr in Konstanz belegt, wo ihm das Domkapitel im selben Jahr die Bischofswürde antrug. Im nachfolgenden 'Konstanzer Bistumsstreit' (1474-1480) trat Kaiser Friedrich III. für Otto ein, während Papst Sixtus IV. Ludwig von Freiberg favorisierte, der auch von Herzog Sigmund von Tirol und Graf Ulrich V. von Württemberg unterstützt wurde. Der Sohn Mechthilds von der Pfalz, Graf Eberhard V. von Württemberg, trat hingegegen für den kaiserlichen Kandidaten Otto von Sonnenberg ein, der sich letztlich durchsetzen konnte. Am 31. März 1481 wurde Otto zum Bischof von Konstanz geweiht Nach einer zehnjährigen Amtszeit verstarb er am 21. März 1491 in Konstanz. Verf.: sl. Besitzer von Drucken:
Literatur:Bertelsmeier-Kierst, C.: 'Griseldis' in Deutschland. Studien zu Steinhöwel und Arigo (GRM-Beiheft 8). Heidelberg 1988, S. 70. Bertelsmeier-Kierst, C.: Wer rezipiert Boccaccio? Zur Adaption von Boccaccios Werken in der deutschen Literatur des 15. Jahrhunderts. In: ZfdA 127 (1998), S. 410-426, S. 423. Württemberg im Spätmittelalter. Katalog bearb. von J. Fischer, P. Amelung u. W. Irtenkauf, Stuttgart 1985, S. 120, Nr. 125. Krammel, P. F.: Kaiser Friedrich III. und die Reichsstadt Konstanz (1440-1493). Die Bodenseemetropole am Ausgang des Mittelalters (Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen 29). Sigmaringen 1985, S. 223-229. Kuhn, E. L. / Moser, E. u.a. (Hgg.): Die Bischöfe von Konstanz. Bd. 1. Geschichte. Friedrichshafen 1988, S. 21-24. Rauh, R.: Das Hausrecht der Reichserbtruchsessen Fürsten von Waldburg. Bd. 1. Die Hausgesetze, Familienverträge und Rechtsverhältnisse des Fürstlichen Gesamthauses Waldburg vom Ende des 14. Jh. bis zur Mediatisation 1394-1806. Kempten 1971, S. 34-39. | Konstanzer Bistumsstreit. Links: Papst Sixtus IV. providiert Ludwig von Feldberg; rechts: das Domkapitel wählt Otto von Sonnenberg zum Bischof. Miniatur in der Bilderchronik des Diebold Schilling (1513). Zentralbibliothek Luzern. Rituale Constantiense, Basel um 1482. Im Mittelfeld: Patrone des Bistums Konstanz: der heilige Bischof Konrad (links), Maria (Mitte), St. Pelagius (rechts). Im oberen Feld: Wappen des Hauses Sonnenberg-Waldburg (links), Bischofswappen Ottos von Sonnenburg (Mitte), Wappen des Hauses Montfort (rechts). |