MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Lorenz Weissenfelder

Lorenz Weissenfelder gehörte der in München beheimateten, gleichnamigen Patrizierfamilie an, die zur Stadtelite zählte und 1536 das „Adelsdiplom“ (Schattenhofer, S. 34) erhielt. Bereits seit 1474 ist Lorenz W. als Ratsmitglied bezeugt und wird im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in einer Vielzahl von Ämtern der Stadt München greifbar: "1479 bekleidete er das Amt des Bußmeisters, zwischen 1479 und 1492 war er Viertelhauptmann, 1476 und 1481-91 Kirchpropst der Salvatorkapelle vor dem Schwabinger Tor und 1492 bis 1500 Kirchprobst bei Unserer Lieben Frau [...]. 1494/95 erscheint er hier als Mitglied des äußeren Rates, als Schätzer der Söldnerpferde" (Weck S. 155f.). 1501 wird er zuletzt urkundlich erwähnt, er dürfte demnach kurz danach verstorben sein.

Lorenz Weißenfelder besaß eine Handschrift der 'Rechtssumme' Bruder Bertholds (München, BSB, Cgm 616) aus dem Jahre 1432, die 1464 in seinen Besitz überging: 14 A 64. Trewn es was gutt. L. Weyssenfelder. Da Weissenfelder Bußmeister der Stadt war, "wird eine mögliche funktionale Anbindung seiner Gebrauchsinteressen an Bertolds 'Rechtssumme' sichtbar" (Erhard S. 137). In einen ähnlichen Benutzerkontext läßt sich auch der Sammelband 'Lehre und Unterweisung' stellen, den der Augsburger Johann Bämler 1472 auf den Markt brachte. Er enthält mehrere Traktate zur christlichen Lebenführung, zur Ehe und als novellistisches Exemplum eingebunden in diesen traktathaften Kontext Heinrich Steinhöwels 'Griseldis'. Auch dieser Sammelband trägt den Besitzvermerk Lorenz Weissenfelders (Bl. 94v).

Verf.: jes / cbk.

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Literatur:

BSB-Ink = Bayerische Staatsbibliothek. Inkunabelkatalog online. München, L-89.
Erhard, A.: Untersuchungen zum Besitz- und Gebrauchsinteresse an deutschsprachigen Handschriften im 15. Jahrhundert nach den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek München. Inaugural-Dissertation. München 2012, Insbes. S. 132 u. S. 134-137.
Schattenhofer, M.: Das Münchner Patriziat. In: Oberbayerisches Archiv. Hg. vom Historischen Verein für Oberbayern. 109. Band. 1. Heft. München 1984, S. 25-38, Insbes. S. 25 u. S. 34.
Schneider, K.: Deutsche mittelalterliche Handschriften aus bayerischen Klosterbibliotheken. In: Handschriften in Bayern (Bibliotheksforum Bayern) Hg. von der Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken. Jahrgang 9 1/2. München u.a. 1981, S. 44-56, Insbes. S. 53.
Schneider, K.: Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Cgm 501-690 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 5,4). Wiesbaden 1978, Insbes. S. 244-245.
Weck, H.: Die "Rechtssumme" Bruder Bertholds. Eine deutsche abecedarische Bearbeitung der "Summa Confessorum" des Johannes von Freiburg. Die handschriftliche Überlieferung. Tübingen 1982, insbes. S. 155-156.

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Wappen der Familie Weissenfelder. Quelle: Appuhn, H. (Hg.): Johann Siebmachers Wappenbuch. 2. verb. Aufl. (Die bibliophilen Taschenb├╝cher 538). Dortmund 1989, Bl. 96.

Version vom 06. 06. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2770.