MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Wolfgang zu Fürstenberg

Wolffgang grauff zu Fürstenberg (*3.4.1465, †31.12.1509) gehörte zu den einflussreichsten Adligen im deutschen Südwesten an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Unter ihm erreichte das Haus Fürstenberg reichspolitische Bedeutung, gelang es ihm doch (zusammen mit seinem Bruder Heinrich †1499) den vorher weitverstreuten und zersplitterten Besitz zu einer mächtigen Grundherrschaft zu vereinigen.

Zunächst im Umkreis des Pfalzgrafen Philipp fassbar, steht Wolfgang von Fürstenberg seit 1489 in einem Rats- und Dienstverhältnis des württembergischen Grafen und späteren Herzogs Eberhard im Barte. Als Landhofmeister übte er 1497 wichtige Regierungsfunktionen bei der Nachfolge Eberhards I. von Württemberg aus. Darüber hinaus verfügte er über enge Kontakte zum Hause Habsburg und genoss in hohem Maße das Vertrauen Kaiser Maximilians, der ihm wichtige Aufgaben und Ämter übertrug. So befehligte Wolfgang 1499 im Schweizer Krieg zeitweilig für Maximilian den Schwäbischen Bund; 1500 ist er Rat und Kämmerer des Königs, 1502 ernennt ihn Maximilian zum Landvogt der vorderösterreichischen Lande und noch in demselben Jahr zum königlichen Hofmarschall.

Wolfgang zeigte ein reges Interesse an Literatur. Sein Besitzvermerk Dis buch ist Wolffgang grauff zu Fürstenberg finden sich in zehn ehem. Donaueschinger Handschriften und Inkunabeln, so u.a. der 'Christherre-Chronik' (heute: Karlsruhe, LB, Cod. Donaueschingen 78), dem 'Deutschen Salernitanischen Arzneibuch' (Karlsruhe, LB, Cod. Donaueschingen 785) und einem umfangreichen naturkundlichen Band, der medizinische, landwirtschaftliche und andere Wissenstexte in sich vereinigt (Karlsruhe, LB, Cod. Donaueschingen 787). Die Inkunabeln zeigen ein breit gefächertes Spektrum, das sowohl Interesse an geschichtlichen, juristischen und naturkundlichen Themen sowie an der unterhaltenden und belehrenden Literatur verrät. So findet sich der gräfliche Besitzvermerk u.a. in der Konstanzer Konzilschronik (Karlsruhe, LB, Don. Inc. 412), im 'Buch von Troja' (ehem. Donaueschingen Ink. 521), zwei Drucken von Antons von Pforr 'Buch der Beispiele der alten Weisen' (ehem. Donaueschingen Ink. 122 u. 123) und auch in Heinrich Steinhöwels 'Erlauchten Frauen', einer Übersetzung von Boccaccios 'De claris mulieribus' (heute: Stuttgart, LB, Inc. fol. 3336). Dieser Druck war ursprünglich mit dem 'Buch der ,Beispiele der alten Weisen' (ehem. Donaueschingen Ink. 123) in einem Sammelband vereinigt, der neben dem Besitzvermerk Wolffgang grauff zu furstenberg auch denjenigen seiner Gemahlin, der w[olge]bornen frauwn elisabeth grauin von solms (Elisabeth zu Solms-Braunfels) enthielt. Christoph Mackert vermutet, "daß der Graf den Druck mit seiner frauenspezifischen Thematik bereits bei seiner Anschaffung seiner Frau zugedacht hatte" (S. 27), so daß der Band, mit dem 'Buch der Beispiele zusammengebunden, "gut als Lektüre für eine adlige Dame vorstellbar ist" (ebd.).

Mit seiner Sammlung von Handschriften und Büchern legte Wolfgang nachweislich den Grundstein für die Fürstenbergische Hofbibliothek. Spätere Generationen erweiterten die Bestände kontinuierlich, so dass im Laufe der Jahrhunderte die Fürstenbergische Hofbibliothek zu einer der größten und bedeutendsten Adelsbibliotheken in Deutschland aufstieg.

Gekürzte Bearbeitung aus: Ch. Mackert: dieses kuntzyllyum ist wolffgang grauff zu furstenberg (s.u. Lit.)

Verf.: sl / cbk.

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Literatur:

Goerlipp, G.: Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv und die Hofbibliothek in Donaueschingen. In: Eltz, E. H. / Strohmeyer, A. (Hgg.): Die Fürstenberger. 800 Jahre Herrschaft und Kultur in Mitteleuropa. Schloß Weitra 1994, S. 108-114.
Heinzer, F.: Zur Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Handschriftensammlung. In: Heinzer, F. (Hg.): "Unberechenbare Zinsen", bewahrtes Kulturerbe. Katalog zur Ausstellung der vom Land Baden-Württemberg erworbenen Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek. Stuttgart 1993, S. 5-13.
Luttenberger, A. P.: Das Haus Fürstenberg vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. In: Eltz, E. H. / Strohmeyer, A. (Hgg.): Die Fürstenberger. 800 Jahre Herrschaft und Kultur in Mitteleuropa. Schloß Weitra/Korneuburg 1994, S. 14-18.
Mackert, C.: dieses kuntzyllyum ist wollffgang grauff zu furstenberg. Zur Richental-Inkunabel Donaueschingen Ink. 412 der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe und zum Buchbesitz des Grafen Wolfgang zu Fürstenberg (1465-1509). In: Bibliothek und Wissenschaft 32 (1999), S. 1-31.

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Wappen der Grafen zu Fürstenberg (Augsburg?, 1475). Quelle: München, BSB, Cod. icon. 311, Bl. 84r, Münchener Digitalisierungszentrum der BSB. [Zugriff: 25.05.09; 12:30 Uhr].

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Besitzervermerk Wolfgangs zu Fürstenberg, Ende 15. Jh. (Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 785). Quelle: Heinzer, F.: Zur Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Handschriftensammlung. In: Heinzer (1993), S. 5-13, hier 7 (Abb. 1).

Version vom 22. 06. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/2880.