MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Eleonore von Österreich

MRFH 0460

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Dedikationen

Heinrich Steinhöwel: Von den erlauchten Frauen

Leben

In der Vorrede seiner deutschen Bearbeitung von Giovanni Boccaccios 'De claris mulieribus' preist der Frühhumanist Heinrich Steinhöwel (ca. 1411/12-1479) Eleonore von Tirol (Österreich) als Hundertste und damit Vollkommenste der erlüchten frowen.

Eleonore (* um 1433 in Dunfermline, † 20.11.1480 in Innsbruck) wurde als sechstes Kind des schottischen Königs Jakob I. und seiner Gemahlin Johanna Beaufort geboren. Zusammen mit ihrer Schwester Johanna kam Eleonore 1445 an den französischen Hof König Karls VII. 1448 wurde sie mit Herzog Sigmund von Tirol vermählt.

Neben den Regierungsgeschäften, die sie in Abwesenheit des Herzogs 1455-1458 und 1467 ausübte, zeigte Eleonore ein reges literarisches Interesse. Herzog Albrecht lieh ihr 1448 ein puch des Lancilets, das möglicherweise mit Ulrich Fuerters 'Prosa-Lantzilet' identisch ist. Heinrich Steinhöwel widmete ihr seine Boccaccio-Übertragung 'Von den erlauchten Frauen', die er ihr vermutlich zusammen mit seiner Übersetzung von Petrarcas 'Griseldis' in der reich illustrierten Ulmer Erstausgabe Johann Zainers 1473/74 zukommen ließ.

Darüber hinaus wird die Tiroler Herzogin mit der Übersetzung des Prosaromans 'Pontius und Sidonia' (Fassung A) in Verbindung gebracht (zum neusten Forschungsstand siehe Müller). Damit lässt Eleonore von Tirol ähnliche literarische Interessen wie Mechthild von der Pfalz (1419-1482) oder Margarethe von Savoyen (1420-1479), die dritte Gemahlin Ulrichs V. von Württemberg, erkennen.

Gekürzte Bearbeitung aus:
Steinhoff, H.-H.: Eleonore von Österreich (Eleonore Stuart, Eleonore von Schottland). In: 2VL 2 (1980), Sp. 470-473 u. 2VL 11 (2004), Sp. 403.

Verf.: sl.

Literatur:

Assion, P.: Der Hof Herzog Siegmunds in Tirol als Zentrum spätmittelalterlicher Fachliteratur. In: Fachprosa-Studien. Hg. v. G. Keil. Berlin 1982, S. 37-75.
Hahn, R.: Hof und höfische Literatur in Innsbruck zur Zeit Herzog Sigmunds des Münzreichen (1427-1496). In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 18 (1988), S. 95-110.
Hahn, R.: 'Von frantzosischer zungen in teütsch'. Das literarische Leben am Innsbrucker Hof des späteren 15. Jahrhunderts und der Prosaroman 'Pontius und Sidonia' (A) (Mikrokosmos 27). Frankfurt am Main u.a. 1990, S. 15-26.
Liebertz-Grün, U.: Autorinnen im Umkreis der Höfe. In: Gnüg, H / Möhrmann, R. (Hgg.): Frauen-Literatur-Geschichte. Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Stuttgart 21999, S. 12-28, insb. S. 25f.
Müller, M.: Pontus und Sidonia,. In: Achnitz, A. (Hg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter. Bd. 5: Epik (Vers — Strophe — Prosa u. Kleinformen), Berlin/Boston 2013, S. 1575-1598 , insb. Sp. 1584-1598.
Schöning, B.: E. v. Österreich. In: LexMA 3 (1999), Sp. 1809.
Steinhoff, H.-H.: Eleonore von Österreich (Eleonore Stuart, Eleonore von Schottland). In: 2VL 2 (1980), Sp. 470-473 u. 2VL 11 (2004), Sp. 403.
Terrahe, T.: Heinrich Steinhöwels 'Apollonius'. Edition und Studien (Frühe Neuzeit 179). Berlin / Boston 2013, S. 32f.

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Sigmund von Tirol mit seinen drei Frauen Eleonore von Österreich (mit Löwenwappen), Katherina von Sachsen (mit sächs. Wappen rechts) und seiner Braut Radegunde von Frankreich (links mit Lilienwappen) im Habsburgerstammbaum von Schloss Tratzberg von 1506.
Quelle: Baum, W.: Sigmund der Münzreiche. Zur Geschichte Tirols und der habsburgischen Länder im Spätmittelalter (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes 14). Bozen 1987, S. 362.

Bildgroßansicht

Widmung Heinrich Steinhöwels an Eleonore von Österreich, Ulm: Johann Zainer, [vor dem 28. März 1474], Bl. 6a.
Quelle: Olomouc, Universitní knihovna (Universitätsbibliothek), II 48.189.

Version vom 20. 04. 2014 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0460.