MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

[ © Copyright und Zitierweise ]
Für Suchmaschinen: Inkunabeln Wiegendrucke Handschriften Frühhumanismus Steinhwel Wyle Eyb Boccaccio Petrarca Piccolomini prehumanism manuscripts manuscrits incunabula incunables
Verzeichnis: [ Übersetzer ] [ Albrecht von Eyb ]

 

Albrecht von Eyb

Zeittafel

  • geboren am 24. August 1420 auf Schloss Sommersdorf bei Ansbach (Franken)

  • 1436-1438: Studium der Rechtswissenschaften, Universität Erfurt

  • 1438-1444: Besuch der Lateinschule in Rothenburg o. d. T.

  • 1444-1447: Studium der Rechtswissenschaften, Universität Pavia

  • 1448: Studium an der Universität Bologna

  • 1450: Rückkehr nach Bologna

  • 1452: Domherr in Bamberg

  • 1452: im Winter Fortsetzung des juristischen Studiums an der Universität Bologna

  • 1453: Prokurator der deutschen Studenten in Bologna

  • 7. Februar 1459: Promotion zum Doktor beider Rechte

  • November 1459: Rückkehr nach Deutschland, juristische Tätigkeit

  • 1461/62: Romreisen

  • gestorben am 24. Juli 1475 und im Eichstätter Dom bestattet

Leben und Werk

Albrecht von Eyb, geboren am 24. August 1420 auf Schloss Sommersdorf bei Ansbach, entstammte einem alten fränkischen Adelsgeschlecht. Entsprechend der Familientradition war ihm als drittem Sohn eine Laufbahn als Geistlicher vorherbestimmt. Sein älterer Bruder Ludwig ermöglichte ihm nach dem Tod des Vaters ein ausgedehntes Studium beider Rechte.

Albrecht besuchte zuerst die Universität Erfurt, dann zwischen 1444 und 1459 setzte er sein juristisches Studium in Pavia, Bologna und Padua fort. Um sich die Einkünfte aus einer Kanonikerstelle am Bamberger Domkapitel zu sichern, sah sich Eyb 1452 gezwungen, seinen Studienaufenthalt in Italien für eine einjährige Residenzpflicht zu unterbrechen. Seinen zweiten Italienaufenthalt schloss er 1459 mit der Promotion zum Doktor beider Rechte ab. Nach seiner Rückkehr etablierte sich Eyb als Jurist in Franken, hauptsächlich als Gutachter der Gerichte Nürnberg, Würzburg und Bamberg. Ab 1462 ist er als Würzburger Domherr urkundlich bezeugt.

Der langjährige Studienaufenthalt in Italien weckte bei dem jungen Albrecht ein nachhaltiges Interesse am italienischen Humanismus. Ausführlich widmete er sich daher den studia humanitatis. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Schriften italienischer Humanisten und lateinischer Klassiker legte Albrecht von Eyb den Grundstein für seine umfassende gelehrt-humanistische Bildung, die ihn — neben Niklas von Wyle und Heinrich Steinhöwel — zu einem der führenden Vertreter des deutschen Frühhumanismus werden ließ.

Neben zahlreichen lateinischen Schriften schrieb Albrecht von Eyb zwei deutsche Werke, das 'Ehebüchlein' (1471) und den 'Spiegel der Sitten' (1474), die seinen Ruhm als frühhumanistischen Übersetzer begründeten. Besonders das in zahlreichen Handschriften und Drucken verbreitete 'Ehebüchlein', welches er am Neujahrstag 1472 der Stadt Nürnberg und ihrem Rat widmete, steht beispielhaft für die im Frühhumanismus sich breit entwickelnde Eheliteratur. Sein 'Spiegel der Sitten' wurde hingegen erst posthum 1511 in Augsburg gedruckt. Insbesondere seine darin enthaltenen Übertragungen der Plautus-Komödien 'Bacchides' und 'Menaechmi', die erst im 15. Jahrhundert wieder entdeckt worden waren, und die zeitgenössische Komödie 'Philogenia' des Ugolino von Pisa, wurden im 16. Jahrhundert mehrfach gedruckt und u.a. durch Hans Sachs bearbeitet.

Albrecht von Eyb verstarb am 24. Juli 1475 im Alter von 55 Jahren und wurde im Eichstätter Dom beigesetzt.

Gekürzte Fassung aus:
Klecha, G.: Albrecht von Eyb. In: 2VL 1 (1978), Sp. 180-186.

Rautenberg, U.: Albrecht von Eyb und die Ehe-Diskussion in der Übersetzungsliteratur deutscher Humanisten. In: Dies. (Hg.): Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt 18. April — 31. Oktober 1993. Schweinfurt 1993, S. 46-50.

Verf.: sl.

Besitzer von Drucken:

Literatur:

Bernstein, E.: Albrecht von Eyb. In: Füssel, S. (Hg.): Deutsche Dichter der frühen Neuzeit (1450-1600). Ihr Leben und Werk. Berlin 1993, S. 96-110.
Hacker, V.: Frauenlob und Frauenschelte. Untersuchung zum Frauenbild des Humanismus am Beispiel der Oratio ad Bessarionem und der 16. Translatze des Niklas von Wyle. Mit kritischer Textedition, Quellenvergleich und Interpretation. Diss. Frankfurt am Main 2002, S. 138-142.
Klecha, G.: Albrecht von Eyb. In: 2VL 1 (1978), Sp. 180-186.
Knod, G. C.: Deutsche Studenten in Bologna (1289-1562). Biographischer Index zu den Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis. Berlin 1899, S. 106 (Nr. 734).
Limbeck, S.: Theorie und Praxis des Übersetzens im deutschen Humanismus. Albrecht von Eyb's Übersetzung der "Philogenia" des Ugolino Pisani. Freiburg (Breisgau) 2000 (online).
Rautenberg, U.: Albrecht von Eyb und die Ehe-Diskussion in der Übersetzungsliteratur deutscher Humanisten. In: Dies. (Hg.): Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt 18. April — 31. Oktober 1993. Schweinfurt 1993, S. 46-50.
Terrahe, T.: Heinrich Steinhöwels 'Apollonius'. Edition und Studien (Frühe Neuzeit 179). Berlin / Boston 2013.

Bildgroßansicht

Handschriftliches Kolophon Albrechts von Eyb (SStB Augsburg, 2 an 2° Ink. 64). Quelle: Rautenberg, U. (Hg.): Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt 18. April — 31. Oktober 1993. Schweinfurt 1993, S. 49.

Bildgroßansicht

Beginn des 'Ehebüchleins' (Augsburg, SStB, 2 an 2° Ink. 64). Quelle: Rautenberg, U. (Hg.): Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt 18. April — 31. Oktober 1993. Schweinfurt 1993, S. 49.

Bildgroßansicht

Wappen derer von Eyb aus Scheibler'sches Wappenbuch, München, BSB, Cod. icon. 312 c, S. 202.

Schweinfurt, BOS, OS 1084, Bl. 1v.
Quelle: Rautenberg, U. (Hg.): Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt 18. April — 31. Oktober 1993. Schweinfurt 1993, S. 46.

Version vom 15. 08. 2015 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/0002.